Just Love

[TW: S3xual1s1ert3 G3walt] In Springen / Heidenrod, einer ländlichen Gegend im Taunus, hat die Sekte Bhakti Marga ihr Hauptquartier. Ihr Guru Swami Vishwananda wird von seinen Anhänger:innen als Gott verehrt. Was er verspricht, ist bedingungslose Liebe – Just Love. Doch seit vielen Jahren berichten Aussteiger:innen immer wieder von Manipulation, Brainwashing, Machtmissbrauch – und von sexualisierter Gewalt, die ihnen Vishwananda angetan habe. Der Guru streitet all diese Vorwürfe ab.

In sechs Episoden gehen Marlene Halser und Stefan Bücheler den Vorwürfen nach, sprechen mit Betroffenen und fragen bei Verantwortlichen, warum die Warnungen so wenig ernst genommen werden – denn weder die deutsche Polizei noch die hessische Staatsanwaltschaft verfolgen die Anzeigen gegen Vishwananda. Außerdem fragen die Reporter:innen in diesem Podcast: Wer ist dieser Guru, wer ist Vishwananda – und wie wird einer eigentlich Guru? Wie wurde aus einer kleinen Glaubensgemeinschaft ein riesiges, internationales Unternehmen, eine millionenschwere Aktiengesellschaft?

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Kapitel 1: Miles
2018 fliegt Miles, ein junger US-Amerikaner, ins Bhakti Marga-Ashram im Taunus. Zu Swami Vishwananda, einem Guru aus Mauritius, den auch er für ein gottgleiches Wesen hält. Anfangs will Miles nur zwei Wochen bleiben. Am Ende werden acht Monate daraus. Was Miles im Ashram erlebt hat, sagt er heute, wünsche er keinem anderen.

Kapitel 2: Massagen
Drei Männer sagen, Swami Vishwananda habe sie auf dem Ashram-Gelände im Taunus in sein Schlafzimmer gelockt. Dort seien ihre Grenzen überschritten worden. Alle mutmaßlichen Übergriffe beginnen mit Massagen, um die der Guru seine Anhänger laut deren Angaben bittet. Und die Männer sagen, sie seien davon überzeugt gewesen, den Anweisungen des Gurus Folge leisten zu müssen. Vishwananda streitet diese Vorwürfe vehement ab.

Kapitel 3: Der Guru
Wie wird ein junger Mann aus Mauritius zu einem international gefragten Guru mit Wohnsitz in Hessen? Wir zeichnen den Aufstieg von Mahadeo Singh Komalram zu “Bruder Michael” und dann zu Paramahamsa Sri Swami Vishwananda nach. Auf diesem Weg spielen aus Kirchen entwendete Reliquien eine Rolle und der Guru sitzt für 11 Tage in Untersuchungshaft.

Kapitel 4: Erleuchtung AG
Was 2004 als kleine spirituelle Gemeinschaft in einem winzigen Dorf im Hunsrück begann, ist in den vergangenen 17 Jahren zu einer Aktiengesellschaft gewachsen, die mittlerweile verschiedene Firmen unter ihrem Dach vereint – und mutmaßlich Millionen verdient. Swami Vishwananda, der Superstar, um den Bhakti Marga kreist, lässt sich offenbar lukrativ vermarkten. Seine Fangemeinde wächst weltweit – und unter ihnen gibt es sehr prominente Namen: Die russische Sängerin Sati Kazanova schwärmt vor ihren 1,1 Mio. Followern bei Instagram vom Guru, der portugiesische Nationalfußballer Rui Patricio war schon mehrmals im Ashram im Taunus, und auch von seinem Kollegen Cristiano Ronaldo gibt es Fotos mit Vishwananda.

Kapitel 5: Gehorsam
2008 erschüttert ein Skandal die pseudo-hinduistische Gemeinschaft im Taunus. Gerüchte kommen auf, dass Swami Vishwananda zwar Enthaltsamkeit predigt, diese aber mutmaßlich nicht selbst lebt. Tief enttäuscht verlassen zahlreiche Anhänger:innen die Gemeinschaft. Der Guru sagt, es habe nichts mit diesen Ereignissen zu tun, dass Menschen die Gruppe verlassen. Was bleibt, ist „der harte Kern“, wie es Aussteiger:innen nennen. Bhakti Marga wächst trotzdem weiter. Swami Vishwananda ist für unzählige Menschen auf der ganzen Welt ihr erleuchteter Guru. Und er selbst legt sich in diesen Jahren immer mehr hinduistische wie christlich-orthodoxe Ehrentitel zu.

Kapitel 6: Anklage
Zurück in den USA versucht Miles, Swami Vishwananda wegen mutmaßlicher Vergewaltigung anzuzeigen. Bis er damit die deutsche Polizei erreicht, vergehen Jahre. Als es ihm endlich gelingt, wird das Ermittlungsverfahren wenig später eingestellt. Wir sprechen in dieser Episode darüber, warum das bei Fällen von mutmaßlicher sexualisierter Gewalt nicht  ungewöhnlich ist. Und wir schauen auf die Lücken, die die deutsche Rechtsprechung in Bezug auf Sekten und Gurus bislang noch hat.

 

Just Love ist eine Co-Produktion des Hessischen Rundfunks und hauseins. Die Idee zum Podcast stammt von Marlene Halser. Sie hat gemeinsam mit Sonja Süß, Stefan Bücheler und Peter Gerhardt recherchiert, gemeinsam mit Stefan Bücheler führt sie durch die sechs Episoden des Podcasts. Verantwortlich beim Hessischen Rundfunk sind Wolfhard Kahler, Eberhard Nembach und Andreas Rippl. Bei hauseins betreute und entwickelte Susanne Klingner den Stoff. Ebenfalls ab 20. Januar 2022 gibt es in der ARD-Mediathek die  Dokumentation „Just Love? Sektenaussteiger packen aus“ von Sonja Süß und Peter Gerhardt.

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Für Anmerkungen, Fragen und Hinweise schreib uns gerne unter justlove@hr.de.

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#justlovepodcast ist ein Hashtag, den wir verwenden.

 

Das Team

 

Marlene Halser

Marlene Halser ist freie Reporterin und schreibt unter anderem für das Magazin der Süddeutschen Zeitung, die Zeit und Zeit Online, die Wirtschaftswoche, die taz und Vice. Außerdem produziert sie Radio Features, unter anderem für den Bayerischen Rundfunk. Zu ihren Kernthemen gehören Recherchen zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt, unter anderem in spirituellen Gruppierungen, aber auch Drogenpolitik und Klimagerechtigkeit.

Stefan Bücheler

Stefan Bücheler arbeitet für hr-iNFO, das Informationsradio des Hessischen Rundfunks. Am liebsten ist er als Reporter unterwegs und trifft Menschen. Denn sie und Ihre Geschichten sind es, die seinen Beruf immer wieder spannend machen. Seine Schwerpunkte sind Klimawandel, Umweltschutz und alles, was in Hessen geschieht. Auch die Missbrauchs-Skandale in der katholischen Kirche waren in den letzten Jahren ein zentrales Thema.

Susanne Klingner

Projektleitung bei hauseins

SUSANNE KLINGNER ist Journalistin in München mit dem Schwerpunkt Wirtschaft & Geschlecht. Früher schrieb sie, u.a. Bücher: 2008 „Wir Alphamädchen“, 2011 „Hab ich selbst gemacht“. Seit 2013 nun Podcasts: Lila Podcast, Plan W Podcast (Süddeutsche Zeitung). Für ihre Serie „Mind The Gap“(2017 für Audible) war sie für den Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftspublizistik nominiert. 2020 dann „Kinderland“ und „Wir schaffen das!“ und 2022 „Just Love“. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von hauseins.

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